
Gold (XAU/USD) bleibt innerhalb seiner monatlichen Handelsspanne und wirkt weiterhin anfällig, nachdem es nicht gelungen ist, sich über der psychologisch wichtigen Marke von 4.100 USD zu behaupten.
Inflationsrisiken, die durch die erhöhte Volatilität am Ölmarkt getrieben werden, stärken die Argumente für eine weitere Straffung der Geldpolitik durch das Federal Reserve System. Dieses Szenario begünstigt den US‑Dollar, der sich nach dem gestrigen Rückgang auf den niedrigsten Stand seit Juni wieder erholt und gleichzeitig auf Gold belastend wirkt.
Die am Donnerstag veröffentlichten US‑Makrodaten deuteten auf ein nachlassendes Wirtschaftswachstum und Anzeichen einer nachgebenden Inflation hin. Dies verringerte vorübergehend die Erwartungen einer kurzfristig bevorstehenden Zinserhöhung der Fed und löste über Nacht einen Rückgang des US‑Dollars aus. Insbesondere die Voraus-Schätzung des Bureau of Economic Analysis (BEA) zeigte, dass das US‑Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal auf Jahresbasis um 1,5 % gewachsen ist, nach 2,1 % im Vorquartal und unter den Markterwartungen.
Außerdem ging der Gesamtindex der Personal Consumption Expenditures (PCE) Price Index im Juni um 0,1 % zurück und verzeichnete damit den ersten monatlichen Rückgang seit April 2020. Der Rückgang war weitgehend auf eine vorübergehende Entspannung der Spannungen mit dem Iran zurückzuführen, die zu einer Korrektur der Kraftstoffpreise führte. Auf Jahresbasis verlangsamte sich der Index von 4,1 % auf 3,7 % und entsprach damit den Markterwartungen. Der Kern‑PCE‑Preisindex – das vom Federal Reserve System bevorzugte Maß für die zugrunde liegende Inflation – stieg derweil im Monatsvergleich um 0,1 %, nach 0,3 % im Mai, während sich die Jahresrate von 3,4 % auf 3,3 % abschwächte.
Dennoch deutet die Turbulenz am Ölmarkt, angeheizt durch die sich verschärfende Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran sowie Sorgen über mögliche Unterbrechungen der globalen Energieversorgung, darauf hin, dass die Inflationsrisiken erhöht bleiben. In den vergangenen Tagen meldete das US‑Militär den Abschluss einer Reihe größerer Angriffe auf iranische Ziele als Reaktion auf Teherans Raketenangriffe auf Koalitionstruppen in der Region. Gleichzeitig wies der Iran den Vorschlag Omans zur gemeinsamen (50/50) Verwaltung der Straße von Hormus zurück, der Teheran eine teilweise Kontrolle über diese strategisch wichtige Wasserstraße und das Recht zur Erhebung freiwilliger Transitgebühren eingeräumt hätte.
Die Lage wird zusätzlich durch die Bemühungen Saudi‑Arabiens erschwert, eine internationale Koalition zum Schutz wichtiger Schifffahrtsrouten in der Meerenge Bab al‑Mandab, im Roten Meer und im Golf von Aden vor Angriffen der Houthi‑Bewegung im Jemen zu etablieren. Diese Entwicklungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer weiter gefassten regionalen Eskalation, was die geopolitische Risikoprämie und die Rohölpreise stützt.
Anleger befürchten, dass steigende Energiepreise den Inflationsdruck erneut anheizen und die Federal Reserve zu einem restriktiveren Kurs zwingen könnten. Laut dem CME FedWatch Tool preisen die Märkte derzeit mit mehr als 85 % Wahrscheinlichkeit mindestens eine weitere Zinserhöhung bis zum Jahresende ein.
Vor dem Hintergrund erhöhter Renditen von US‑Staatsanleihen bleibt der Ausblick für den US‑Dollar insgesamt günstiger, was Kapitalabflüsse aus dem Edelmetall begünstigt.
Heute sollten Händler den anstehenden Bericht der University of Michigan zum Verbrauchervertrauen und zu den Inflationserwartungen genau verfolgen, da dieser neue Handelschancen eröffnen könnte.
Vorerst bewegt sich XAU/USD weiterhin in einer seit mehreren Wochen bestehenden Seitwärtsrange, während die Marktteilnehmer auf einen neuen Impuls für die nächste Richtungsbewegung warten.
Aus technischer Sicht bleibt Gold unter Druck, wobei der nächste Widerstand im Bereich der psychologisch wichtigen Marke von 4.100 USD liegt, während die zentrale Unterstützung bei 4.000 USD verläuft. Gleichzeitig bleiben die Oszillatoren neutral und signalisieren eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung.
