Das Währungspaar GBP/JPY erreichte am Montag ein Fünfmonatstief bei 209,54. Zum Vergleich sei erwähnt, dass die Käufer vor nur zwei Wochen noch das 219er-Niveau getestet hatten – als Reaktion auf die allgemeine Schwäche des Yen bei gleichzeitig stärkerem Britischen Pfund. Die von den japanischen Behörden durchgeführte Devisenintervention löste einen Kursrutsch um 1.000 Pips nach Süden aus. Wie eine stark gespannte Feder, die sich plötzlich entspannt, ermöglichte dies den Verkäufern des Cross, neue Mehrmonatstiefs zu markieren.
Am Dienstag jedoch haben im GBP/JPY-Paar wieder die Käufer die Initiative übernommen. Nach einem Anstieg um 250 Pips testeten sie am Dienstag den Widerstandsbereich bei 212,10, der der unteren Linie der Bollinger Bands im Tageschart entspricht. Mehrere fundamentale Faktoren treiben diese Kursentwicklung an.

Die fiskalische Lage in Japan hat erneut die Aufmerksamkeit der Händler auf sich gezogen. Einer der Schlüsselfaktoren, der auf den Yen drückt, sind neue Vorschläge der Regierung von Premierministerin Sanae Takichi, die staatliche Budgetunterstützung für die Bevölkerung auszuweiten. Die regierende Liberal Democratic Party (die im Unterhaus des Parlaments über eine absolute Mehrheit verfügt) unterstützte die Initiative der Premierministerin, die Lebensmittelsteuer für zwei Jahre – beginnend mit dem nächsten Haushaltsjahr (also ab April 2027) – von 8,0 % auf 1,0 % zu senken. Darüber hinaus schlugen die Behörden jährliche Direktzahlungen an Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen vor. Das Gesamtvolumen dieses Programms wird auf rund 600 Milliarden Yen geschätzt.
Aus Sicht der Binnennachfrage können solche Maßnahmen den Konsum erheblich stützen und die Auswirkungen der gestiegenen Lebenshaltungskosten teilweise ausgleichen. Der Markt konzentriert sich jedoch auf die „Kehrseite der Medaille“ und stellt die Frage nach den Finanzierungsquellen für diese zusätzlichen Ausgaben.
Diese Frage ist alles andere als trivial. Das Fehlen eines klaren Mechanismus zur Deckung der zusätzlichen Haushaltsausgaben sorgt bei Investoren für Unbehagen, da Japan bereits jetzt eine der höchsten Staatsverschuldungen unter den entwickelten Volkswirtschaften aufweist. Jegliche neuen Konjunkturmaßnahmen ohne „soliden“ Finanzierungsplan erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Verschlechterung der fiskalischen Balance. Ein solches Szenario mindert die Attraktivität japanischer Vermögenswerte und begrenzt entsprechend das Potenzial für eine Yen-Stärkung.
Der zweite Grund für die Aufwärtskorrektur bei GBP/JPY ist die erhebliche Zinsdifferenz zwischen Japan und anderen großen Volkswirtschaften, darunter Großbritannien. Einerseits hat die Bank of Japan die Ära der Negativzinsen beendet und normalisiert die Geldpolitik schrittweise. Nach der restriktiv ausgelegten Entscheidung im Juni wurde der Leitzins auf 1,0 % angehoben – das höchste Zinsniveau in Japan seit Mitte der 1990er-Jahre. Andererseits bleibt die japanische Geldpolitik selbst nach diesem Schritt deutlich expansiver als die Politik der überwiegenden Mehrheit der entwickelten Länder.
So liegt der Leitzins der Bank of England derzeit bei 3,75 %, was eine Zinsdifferenz von 275 Basispunkten zwischen Großbritannien und Japan impliziert. Diese anhaltende Zinslücke macht die Carry-Trade-Strategie für Händler, die den Yen als Finanzierungswährung nutzen, weiterhin attraktiv. Solange sich diese Zinsdifferenz nicht spürbar verringert, wird der Druck auf die japanische Währung anhalten.
Externe Risiken verschärfen die Gesamtsituation für den Yen zusätzlich. Insbesondere eine erneute Eskalation der Spannungen im Nahen Osten bleibt eines der gravierendsten Risiken, das die Aussichten für die japanische Wirtschaft eintrüben könnte. Bekanntlich ist Japan ein großer Importeur von Energierohstoffen, sodass steigende Ölpreise traditionell die Handelsbilanz und die Konsumausgaben belasten. Der Anstieg der Ölpreise im Juli hat die Sorgen vor angebotsseitig getriebener Inflation und einer Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivität im Land verstärkt.
Das Pfund erhält seinerseits Rückendeckung durch die robuste Wirtschaft Großbritanniens (das BIP stieg um 0,1 % im Monatsvergleich und um 1,1 % im Jahresvergleich) sowie durch das höhere Zinsniveau. Trotz der Erwartung weiterer Lockerungsschritte durch die BoE ist der Markt nach wie vor überzeugt, dass der Zinssenkungsprozess angesichts der hartnäckig hohen Inflation im Dienstleistungssektor (4,7 %) und des anhaltenden Lohndrucks nur schrittweise erfolgen wird.
Damit ist die Trendwende bei GBP/JPY durch mehrere fundamentale Faktoren begründet: die Schwäche des Yen infolge fiskalischer Risiken, den anhaltenden Zinsvorteil Großbritanniens und das fortbestehende Interesse an Carry Trades. Damit sich eine nachhaltige Abwärtsbewegung wieder etablieren kann, müsste der Markt deutliche Veränderungen im fundamentalen Umfeld erkennen: entweder ein deutlich restriktiverer Kurs der BoJ oder ein realistischer, glaubwürdiger Plan zur Stabilisierung der öffentlichen Finanzen.
Bislang bleibt das fundamentale Kräfteverhältnis jedoch zugunsten der Käufer von GBP/JPY. Die Hauptgründe für den Druck auf den Yen bestehen fort, sodass Long-Positionen in diesem Währungspaar in Betracht gezogen werden können – allerdings erst, nachdem es den Käufern des Cross gelungen ist, den Widerstandsbereich bei 212,10 (untere Linie des Bollinger-Bänder-Indikators im D1-Chart) zu überwinden. Das nächste Kursziel für die Aufwärtsbewegung liegt im Bereich von 213,50 (untere Grenze der Kumo-Wolke im gleichen Zeitrahmen).
