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Der Markt nimmt Nachrichten vorweg

Zähle deine Hühner nicht, bevor sie geschlüpft sind. An der Wall Street scheint man dieses Sprichwort vergessen zu haben. Kaum hatte Qatar seine Bereitschaft angekündigt, einen Plan zur Entblockierung der Straße von Hormus vorzulegen, schossen der S&P 500 und der Dow Jones Industrial Average auf Rekordhöhen, und Brent fiel unter 80 US-Dollar pro Barrel. Der Deal ist noch nicht unterzeichnet, doch die Investoren feiern seinen Abschluss bereits jetzt.

Entwicklung von S&P 500, Hyperscalern und Hedgefonds-Trades

Der Markt nimmt Nachrichten vorweg

Nach einer kräftigen Korrektur verzeichneten Chiphersteller ihre beste viertägige Rally seit 2020. Auf den ersten Blick wirkt diese Bewegung wie ein Beleg dafür, dass der Ausverkauf bei den Tech-Giganten und den Magnificent Seven ausgereizt ist. Absolute Strategy Research verweist auf einen ETF, der die Positionen von Hedgefonds von Goldman Sachs abbildet: Dessen Rückgang und anschließende Erholung spiegelten die Entwicklung der Hyperscaler-Aktien nahezu exakt wider. Es scheint sich weniger um einen Sieg über die Geopolitik zu handeln als vielmehr um das Rückabwickeln übermäßig gehebelter spekulativer Positionen.

Auch die Geldpolitik trägt dazu bei. Die Inflationserwartungen sind in den vergangenen zwei Monaten stark eingebrochen – ungefähr seit Kevin Warsh an der Spitze der Fed steht. Eine Inflationsprognose unterhalb des 2%-Ziels mindert naturgemäß die Furcht vor weiteren Zinserhöhungen. Wells Fargo weist darauf hin, dass die Wiedereröffnung der Straße von Hormus die weltweite Ölversorgung normalisieren und den kurzfristigen Druck auf die Energiepreise mindern könnte und damit das Inflationsproblem entschärft.

Dynamik der US-Inflationserwartungen

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Allerdings normalisiert sich die Inflation nicht über Nacht. Der Druck von der Energieseite kann nachlassen, doch die breiteren Preisindizes dürften tendenziell hartnäckig bleiben, was den möglichen Rückgang der Treasury-Renditen begrenzen würde. Zumal die Fed die Zinsen unverändert gelassen hat, während eine wachsende Zahl von Notenbankvertretern über Anhebungen spricht, der Krieg mit Iran und der KI-Investitionsboom die Inflationsrisiken zusätzlich anheizen.

Am Arbeitsmarkt herrscht derzeit gewissermaßen ein Goldilocks-Umfeld: Die Zahl offener Stellen ist im Juni zurückgegangen, gleichzeitig hat die Einstellungstätigkeit leicht angezogen, was auf eine relativ stabile Nachfrage nach Arbeitskräften hindeutet. Das verschafft der Fed Spielraum und erlaubt ihr, sich auf die Inflation zu konzentrieren. Allerdings könnte der Arbeitsmarktbericht für Juli am Freitag das Bild rasch verändern. Starke Zahlen würden das Argument für eine Zinserhöhung im September untermauern. Schwache Daten, zusammen mit dem enttäuschenden BIP der vergangenen Woche, würden der Notenbank dagegen Anlass geben, vorerst auf Pause zu bleiben.

Der Markt nimmt Nachrichten vorweg

Damit ruht die Rally an der Wall Street derzeit gleichzeitig auf drei Säulen: Gerüchten über eine Einigung in der Straße von Hormus, dem Eindecken von Short-Positionen durch überhebelte Hedgefonds und dem Vertrauen in die Zurückhaltung des neuen Fed-Chefs. Alle drei Stützen sind bislang eher Annahmen als gesicherte Tatsachen. Hat sich der Markt seinen Vorschuss schon zu früh gegönnt?

Aus technischer Sicht zeigt der Tageschart, dass der S&P 500 seinen Aufwärtstrend wieder aufgenommen hat. Die Fokussierung auf Käufe sollte beibehalten werden, und das Kursziel von 7.870 sollte auf 8.000 angehoben werden.

*Die zur Verfügung gestellte Marktanalyse dient zu den Informationszwecken und sollte als Anforderung zur Eröffnung einer Transaktion nicht ausgelegt werden
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