logo

FX.co ★ EUR/USD. Beunruhigende Signale für den Greenback: Was die JOLTs- und ADP-Berichte anzeigen

EUR/USD. Beunruhigende Signale für den Greenback: Was die JOLTs- und ADP-Berichte anzeigen

Der U.S. Dollar Index bleibt weiter unter Druck. Angesichts optimistischer Erwartungen auf eine Lösung des Konflikts im Nahen Osten konzentrierten sich die Händler auf schwache Daten vom US-Arbeitsmarkt und übersahen dabei den starken ISM Manufacturing Index.

EUR/USD. Beunruhigende Signale für den Greenback: Was die JOLTs- und ADP-Berichte anzeigen

Dennoch ergibt das Ganze einen gewissen Sinn, wenn man die Situation aus Sicht der Erwartungen (Prognosen) zur künftigen Geldpolitik der Federal Reserve betrachtet. Bei ihren Zinsentscheidungen beurteilt die Zentralbank in erster Linie die Inflationsdynamik und die Lage am US-Arbeitsmarkt. Während die CPI/PPI-Berichte für Juli (die entsprechenden Veröffentlichungen erscheinen Mitte August) noch ausstehen, wird die laufende Woche von US-Arbeitsmarktdaten dominiert. Der wichtigste Termin der Woche – die NonFarm Payrolls (NFP) – wird am Freitag veröffentlicht. Vorab haben jedoch bereits „zweitrangige“ Arbeitsmarktindikatoren alarmierende Signale gesendet. Die JOLTs- und ADP-Berichte fielen in die rote Zone und schüren die Sorge der Anleger über eine weitere Abkühlung der Beschäftigung. Auch wenn einzelne Komponenten dieser Veröffentlichungen relativ neutral wirken, ist das Gesamtbild für den Greenback recht ungünstig.

JOLTs: Arbeitgeber werden vorsichtiger, Nachfrage nach Arbeitskräften geht zurück

Der JOLTs-Bericht für Juni fiel schwach aus und zeigte einen Rückgang bei den offenen Stellen. Die Zahl der Vacancies sank auf 7,259 Millionen (nach revidierten 7,537 Millionen im Mai), also ein Minus von fast 180.000 Stellenangeboten. Das deutet darauf hin, dass Arbeitgeber bei der Ausweitung ihrer Belegschaft deutlich vorsichtiger werden.

Darüber hinaus erfolgte der Rückgang der offenen Stellen in Bereichen, die traditionell zu den Treibern des US-Arbeitsmarktes gehören, darunter Gesundheits- und Sozialwesen, Großhandel, professionelle und unternehmensbezogene Dienstleistungen sowie der Freizeit- und Gastgewerbesektor. Zwar konnte der Anstieg der Stellenangebote im Transportsektor und im öffentlichen Dienst diesen Rückgang teilweise kompensieren, doch blieb die Gesamtbilanz negativ und signalisiert eine allmähliche Abkühlung der Arbeitskräftenachfrage.

Ein weiteres besorgniserregendes Signal war der Rückgang der Job-Openings-Rate von 4,5 % auf 4,4 %. Dieser Indikator spiegelt die Nachfrage der Arbeitgeber nach neuen Beschäftigten wider; ein weiterer Rückgang zeigt, dass Unternehmen immer weniger bereit sind, ihre Belegschaft zu vergrößern und ihre künftigen Wachstumsaussichten vorsichtiger einschätzen.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass einige Komponenten der Veröffentlichung besser als erwartet ausfielen. So stieg etwa die Zahl der Einstellungen auf 5,348 Millionen (nach 5,252 Millionen), während das Niveau der freiwilligen Kündigungen im Vergleich zum Vormonat unverändert blieb. Diese Komponenten ändern jedoch den Gesamttrend im Grunde nicht. Der Anstieg der Einstellungen war recht moderat und ging nicht mit einem Zuwachs bei den offenen Stellen einher. De facto bauen Unternehmen weiterhin bestehende Positionen ab, schaffen aber deutlich seltener neue. Dies ist eines der klassischen Anzeichen für eine schrittweise Abkühlung des Arbeitsmarktes.

ADP-Bericht Juli: Negativrekord auf Halbjahressicht

Während der JOLTs-Bericht einen Rückgang der Nachfrage nach Arbeitskräften widerspiegelt, zeigen die am Mittwoch veröffentlichten ADP-Daten eine direkte Abschwächung der Beschäftigungsdynamik. Im Juli wurden im US-Privatsektor lediglich 44.000 neue Stellen geschaffen. Das ist der niedrigste Wert seit Januar dieses Jahres. Zum Vergleich: Im Juni lag der (revidierte) Wert bei 95.000. Der Konsens hatte einen Anstieg um 75.000 erwartet. Damit fiel das tatsächliche Juli-Ergebnis fast nur halb so stark aus wie im Vormonat und deutlich schwächer als vom Markt prognostiziert.

Zum Gesamtzuwachs trugen vor allem der Bildungs- und der Gesundheitssektor bei, während in mehreren zyklischen Branchen Beschäftigung abgebaut wurde. So verlor der Freizeit- und Gastgewerbesektor rund 11.000 Stellen. Das ist insofern bedeutsam, als diese Branchen besonders sensibel auf die Entwicklung der Binnennachfrage reagieren. Ihre Schwäche deutet auf eine allmähliche Abkühlung der Konsumaktivität hin.

In einem breiteren Kontext ist wichtig zu beachten, dass der ADP-Bericht ausschließlich die Beschäftigungsentwicklung im Privatsektor abbildet, der traditionell am schnellsten auf Veränderungen bei den Kreditkonditionen und der wirtschaftlichen Aktivität reagiert. Das schwache Ergebnis legt daher ebenfalls nahe, dass das aktuelle Zinsniveau der Fed einen zunehmend spürbaren Druck auf Unternehmen ausübt und deren Bereitschaft begrenzt, ihre Belegschaft auszuweiten und neue Stellen zu schaffen.

Zwar stimmen die ADP-Daten nicht immer mit den NonFarm Payrolls überein; zuletzt zeigten jedoch beide Indikatoren eine ähnliche Tendenz – eine schrittweise Verlangsamung des Beschäftigungsaufbaus. Daher sollte die Veröffentlichung vom Mittwoch nicht als zufällige „Ausreißerbewegung“ interpretiert werden, sondern als weiteres Puzzleteil in einem insgesamt recht negativen Fundamentalkontext für den Greenback.

Was signalisieren JOLTs und ADP?

Die am Dienstag und Mittwoch veröffentlichten Daten ergeben ein relativ stimmiges Bild einer allmählichen Abkühlung des US-Arbeitsmarktes. JOLTs zeigen über den Rückgang der offenen Stellen eine nachlassende Nachfrage nach Arbeitskräften. Der ADP-Bericht wiederum verdeutlicht, dass sich diese schwächere Nachfrage bereits in der tatsächlichen Einstellungsdynamik niederschlägt. Setzt sich dieser Trend fort, könnte der nächste Schritt ein Anstieg der Arbeitslosenquote in den USA sein.

Genau deshalb steigern diese Daten die Bedeutung der NonFarm Payrolls am Freitag erheblich. Sollte der offizielle Bericht abermals nur einen moderaten Beschäftigungsaufbau zeigen, werden die Anleger davon ausgehen, dass die Abkühlung des amerikanischen Arbeitsmarktes zunehmend strukturellen Charakter annimmt. In diesem Fall dürfte der Druck auf den Dollar zunehmen, da der Markt eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Lockerung der Fed-Geldpolitik in absehbarer Zeit einpreisen wird. Stand Mittwoch wirkt dieses Szenario durchaus plausibel: Sowohl JOLTs als auch ADP haben die Risikobalance bereits in Richtung schwächerer NonFarm Payrolls verschoben.

All dies deutet darauf hin, dass der Dollar derzeit nicht nur unter nachlassender Risikoaversion leidet. Auch der sich abschwächende Arbeitsmarkt spielt eine Rolle und ermöglicht es Käufern im EUR/USD, lokale Hochs zu erneuern. Das Währungspaar testet aktuell den Widerstandsbereich bei 1,1550 (obere Linie des Bollinger-Bands-Indikators im Vier-Stunden-Chart). Wird dieses Niveau überwunden, eröffnet sich für die Käufer der Weg an die Grenzen der 16er-Marke und in der Folge zum Widerstand bei 1,1630, der der Kijun-sen-Linie im W1-Zeitrahmen entspricht.

*Die zur Verfügung gestellte Marktanalyse dient zu den Informationszwecken und sollte als Anforderung zur Eröffnung einer Transaktion nicht ausgelegt werden
Go to the articles list Go to this author's articles Open trading account