Die Industrieaufträge in Deutschland sind im Juni nach vorläufigen Angaben von Destatis, nach saison- und kalenderbereinigter Anpassung, gegenüber dem Vormonat um 3,1 Prozent gestiegen. Im Vorjahresvergleich wurde ein beeindruckendes Wachstum von 6,5 Prozent verzeichnet. Auf den ersten Blick wirkt dies wie ein hervorragendes Ergebnis; doch die Struktur des Anstiegs offenbart seine Fragilität: Ohne Großaufträge lag das Auftragsvolumen um 0,5 Prozent unter dem Wert des Vormonats.

Die Aufschlüsselung nach Sektoren bestätigt den einmaligen Charakter des Junisprungs. Die wichtigsten Beiträge kamen aus dem Maschinenbau, der um 12,7 Prozent zulegte, sowie aus der Produktion von Computertechnik, Elektronik und optischen Erzeugnissen, die um 22,7 Prozent wuchs; in beiden Segmenten meldeten mehrere Unternehmen große Einzelaufträge. Die Automobilindustrie steuerte ein Plus von 3,8 Prozent bei, während der sonstige Transportmaschinenbau, zu dem Flugzeuge, Schiffe, Züge und militärische Ausrüstung zählen, von einem hohen Niveau im Vormonat um 41,7 Prozent einbrach.
Die geografische Struktur der Nachfrage ist besonders aufschlussreich. Auslandsaufträge legten nur symbolisch um 0,2 Prozent zu. Inlandsaufträge stiegen um 7,8 Prozent. Mit anderen Worten: Im Juni stützte sich die deutsche Industrie auf den heimischen Markt und auf Absatzmärkte außerhalb des Euroraums, während die Nachfrage aus den Nachbarländern in der Währungsunion deutlich nachließ.
Allerdings bestimmten die Einzelhandelsdaten aus der Eurozone die Richtung des Euro und überlagerten damit vollständig die positiven Nachrichten aus Deutschland. Nach ersten Schätzungen von Eurostat gingen die Einzelhandelsumsätze im Juni in der Eurozone gegenüber dem Vormonat um 0,3 Prozent und in der EU um 0,1 Prozent zurück, während sie im Mai noch um 0,4 Prozent beziehungsweise 0,6 Prozent gestiegen waren. Im Jahresvergleich legten die Einzelhandelsumsätze in der Eurozone lediglich um 0,7 Prozent und in der EU um 1,2 Prozent zu.
Die Struktur des Rückgangs war breit angelegt und damit besonders besorgniserregend. In der Eurozone sanken die Umsätze mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren um 0,5 Prozent, während der Absatz von Nicht-Lebensmitteln ohne Kraftstoffe für Kraftfahrzeuge um 0,4 Prozent zurückging; das einzige wachsende Segment waren Kraftstoffe für Kraftfahrzeuge in Fachgeschäften, deren Umsatz um 1,5 Prozent zunahm. Ein ähnliches Bild zeigte sich in der gesamten EU.

Die Reaktion des Euro auf diese Kombination von Daten war bezeichnend: Die Währung ignorierte die starken deutschen Auftragszahlen weitgehend und gab im Zuge schwacher Einzelhandelsdaten aus der Eurozone nach. Die Marktlogik dahinter ist klar ersichtlich. Der deutsche Auftragssprung wurde zu Recht als einmaliges Ereignis gewertet, was durch die Nullentwicklung des Dreimonatsindikators unter Ausschluss von Großaufträgen gestützt wird. Die Einzelhandelsdaten hingegen spiegeln den Zustand der Konsumnachfrage im gesamten Währungsraum wider, und ihre Abschwächung – breit angelegt über verschiedene Kategorien, einschließlich Deutschland selbst – wird von Händlern als verlässlicherer Indikator für den tatsächlichen Zustand der Wirtschaft der Währungsunion betrachtet.
