Gold fiel gestern um 0,7 Prozent auf 4.377,49 Dollar je Unze, nachdem es zuvor in der Sitzung um 0,9 Prozent gestiegen war und ein 10-Wochen-Hoch erreicht hatte. Silver gab um 0,7 Prozent auf 64,88 Dollar nach, und auch platinum und palladium gaben nach.

Trotz des Rückgangs ist Gold derzeit gefragt. Sollten die kommenden US-Daten weiterhin auf ein nachlassendes Wachstum und eine gedämpfte Inflation hindeuten, was die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen durch die Federal Reserve dämpfen würde, könnte Gold möglicherweise weiter steigen. Allerdings ist eine gewisse Volatilität unvermeidlich – insbesondere, falls die Renditen oder der Dollar wieder anziehen.
Auch das technische Bild hat sich verbessert. Der Anstieg in dieser Woche hat es dem Metall ermöglicht, den 100-Tage-Durchschnitt erstmals seit April zu überwinden, was traditionell als wichtiges Signal für eine Veränderung des mittelfristigen Trends gilt. In den vergangenen Wochen hat sich Gold deutlich über der Unterstützungsschwelle von 4.000 US-Dollar gehalten, gestützt durch ein erneutes Anlegerinteresse, das wiederum von erhöhten Käufen der Zentralbanken, insbesondere aus China, untermauert wurde.
Mehrere bevorstehende Ereignisse könnten die Richtung für die kommenden Monate vorgeben. Vor der nächsten Fed-Sitzung im kommenden Monat werden weitere Beschäftigungs- und Inflationsdaten erwartet. Darüber hinaus werden Händler die Rede von Chairman Kevin Warsh beim jährlichen Symposium in Jackson Hole Ende August genau verfolgen, bei dem das neue Oberhaupt der Notenbank erstmals in dieser Funktion auftritt und möglicherweise seine Sicht auf den künftigen Kurs der Geldpolitik skizziert.
Das Hauptrisiko für die aktuelle Erholung bleibt die Geopolitik. Trotz schwächerer Inflationsdaten für Juli droht bei einer Eskalation im Nahen Osten eine Rückkehr zu hohen Energiepreisen, die seit Beginn des Kriegs die Inflationsrisiken stützen. Öl bewegt sich nach monatelang volatiler Handelstätigkeit auf ein Wochenplus zu, während Händler die wiederholten Versuche der USA und des Iran beobachten, den Konflikt zu stoppen und den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wiederherzustellen.

Was das aktuelle technische Bild für Gold angeht, müssen die Käufer zunächst den nächsten Widerstand bei 4.432 USD überwinden. Dies würde ein Ziel von 4.481 USD eröffnen, oberhalb dessen ein Ausbruch allerdings recht schwierig sein dürfte. Das am weitesten entfernte Ziel liegt im Bereich von 4.546 USD. Kommt es zu einem Rückgang, werden die Bären versuchen, die Kontrolle über das Niveau von 4.372 USD zu übernehmen. Gelingt ihnen das, würde ein Ausbruch aus der Handelsspanne den Bullen einen schweren Schlag versetzen und Gold auf ein Tief von 4.304 USD drücken, mit der Aussicht auf eine anschließende Bewegung in Richtung 4.249 USD.
