
Das Währungspaar EUR/USD setzt seine Abwärtsbewegung nun bereits den sechsten Tag in Folge fort. Ich würde diesen Rückgang jedoch nicht als stark bezeichnen; wirklich deutlich wurde er erst heute – und auch das nur im Tagesverlauf. Wie lange der Anstieg des US-Dollars anhalten wird, ist weiterhin unklar, doch heute erhielt die US-Währung Unterstützung durch die jährliche Revision der Nonfarm-Payrolls-Daten. Welche Zahl wurde gemeldet? Eine negative. Warum steigt der Dollar also? Ich kann mir dafür nur eine Erklärung vorstellen: Der Markt hatte wohl mit einem deutlich schlechteren Wert als -79.000 gerechnet. Meiner Ansicht nach ist ein jährlicher Payrolls-Wert von 79.000 neuen Stellen sehr niedrig. Zur Erinnerung: Ein durchschnittlicher Monatswert von 100.000–150.000 gilt für die US-Wirtschaft als normal. Damit liegt 79.000 unter der bereits revidierten Zahl der Berichte für Juni und Mai. Aus meiner Sicht ist dies noch kein Grund für die Bären, in Jubel auszubrechen, aber sie haben heute dennoch zusätzliche Unterstützung erhalten. Als Nächstes steht die Rede von Kevin Warsh an.
Der Nachrichtenhintergrund spricht meines Erachtens weiterhin klar für die Bullen. Erstens ist auf jedem Chart deutlich zu erkennen, dass die europäische Währung ihren Anstieg von relativ niedrigen Niveaus im Vergleich zu ihrem Durchschnittskurs des vergangenen Jahres aus begonnen hat. Das bedeutet, dass sie nach wie vor Aufwärtspotenzial besitzt. Zweitens rechnet der Markt im September nicht mehr mit einer Straffung der Geldpolitik durch das FOMC. Drittens stellt der Markt inzwischen infrage, ob die Fed unter Kevin Warsh ihre Geldpolitik überhaupt straffen kann. Viertens haben die jüngsten US-Konjunkturdaten enttäuscht. Fünftens bieten die geopolitischen Entwicklungen den Bären beziehungsweise dem Dollar keine Unterstützung mehr. Sechstens könnte die EZB im Herbst eine weitere Runde der geldpolitischen Straffung einleiten. Siebtens hat das US-Finanzministerium beschlossen, seine Käufe langfristiger Anleihen zu erhöhen, was die Nachfrage nach dem Dollar verringert. Achtens könnte in naher Zukunft ein neuer Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada sowie zwischen den Vereinigten Staaten und China beginnen. Daher sehe ich keinen Grund für einen weiteren Vormarsch der Bären.
Die jüngsten Daten vom US-Arbeitsmarkt fielen schwach aus, die Inflation hat sich verlangsamt und das BIP-Wachstum hat nachgelassen. Diese drei Faktoren nähren Zweifel an weiteren Zinserhöhungen durch das FOMC – nicht nur im September, sondern auch auf absehbare Zeit. Genau dieser Faktor hatte die Bären noch im Juni unterstützt, wirkt nun aber gegen sie. Meiner Ansicht nach haben die Bären derzeit nur in einer erneuten Eskalation im Nahen Osten eine Chance. Donald Trump strebt jedoch keine militärische Eskalation an. Er versucht nun, wirtschaftlichen Druck auf den Iran auszuüben.
Die aktuelle Chartsituation spricht mit hoher Wahrscheinlichkeit für eine Fortsetzung des bullischen Impulses. Die Bearish Imbalance 17 wurde geschlossen, die Reaktion darauf fiel schwach aus, und dieses Muster gilt nun als hinfällig. Die Bullish Imbalance 19 blieb unberührt. Auch die neue Bullish Imbalance 20 lieferte den Tradern kein Kaufsignal. Eine weitere Bullish Imbalance 21 hat sich gebildet und könnte in naher Zukunft ein Signal generieren. Derzeit sind die Positionen und Perspektiven der Bullen deutlich stärker als die der Bären.
Der wirtschaftliche Hintergrund am Freitag ermöglichte den Bären zwar eine Attacke, dabei wäre ein neuer bullischer Vorstoß deutlich logischer gewesen. Obwohl der jährliche Nonfarm-Payrolls-Bericht nur einen Rückgang von 79.000 Stellen auswies (bei der vorherigen Revision hatte der Wert noch bei -911.000 gelegen), ist dies dennoch kein Grund für Optimismus in Bezug auf den US-Arbeitsmarkt. Daher hat jeder Kursanstieg des Dollars aus meiner Sicht derzeit nur ein sehr begrenztes Potenzial. Die Imbalance 21 wurde nicht aufgehoben, sodass sich innerhalb dieser Zone weiterhin ein Kaufsignal bilden kann. Die europäische Währung hat zweifellos Spielraum, weiterem Druck standzuhalten.
Die Bullen haben auch im Jahr 2026 noch zahlreiche Gründe für einen Angriff, und der Ausbruch des Krieges im Nahen Osten hat diese nicht verringert. Strukturell und auf globaler Ebene haben sich Trumps Politik, die im vergangenen Jahr zu einem deutlichen Rückgang des Dollars führte, nicht verändert. Derzeit sehe ich trotz der formal gesehen eher hawkischen Haltung des FOMC keine entscheidenden Faktoren, die die US-Währung nachhaltig unterstützen. Die geopolitischen Entwicklungen, die in weiten Teilen der ersten Jahreshälfte 2026 die Nachfrage nach dem US-Dollar stützten, tun dies inzwischen nicht mehr. Der Konflikt im Nahen Osten ist zwar nach wie vor ungelöst, doch weder vom Iran noch von den Vereinigten Staaten gibt es neue militärische Aktionen.
Wirtschaftskalender für die Vereinigten Staaten und die Europäische Union:
- Deutschland – Verbraucherpreisindex (12:00 UTC).
Am 31. August steht nur ein Termin im Wirtschaftskalender, den ich nicht für bedeutend halte. Der wirtschaftliche Hintergrund dürfte die Marktstimmung am Montag kaum oder gar nicht beeinflussen.
EUR/USD-Prognose und Handelsempfehlungen:
Meiner Ansicht nach befindet sich das Währungspaar weiterhin in der Ausbildung eines Aufwärtstrends. Der Nachrichtenhintergrund hatte sich vor sechs Monaten zwar deutlich zugunsten der Bären verschoben, der Trend selbst kann jedoch weder als aufgehoben noch als abgeschlossen gelten. Daher können die Bullen ihre Aufwärtsbewegung nach zwei Liquiditätssweeps klar definierter Tiefs durchaus fortsetzen. Aktuell verfügen die bullischen Trader mit der Imbalance 21 über eine hervorragende Unterstützungszone. In dieser Woche könnte sich ein neues Kaufsignal herausbilden. Ich sehe 1,1797 und 1,1850 als Aufwärtsziele für die europäische Währung.
