
Gold (XAU/USD) tut sich schwer mit einer Erholung, nachdem es am Mittwoch zuvor ein fast vierwöchiges Tief erreicht hat, und behält einen moderat negativen Ton bei. Der US‑Dollar setzt seinen Aufwärtstrend jedoch fort und verhindert damit eine Erholung des Edelmetalls. Die Erwartungen der Marktteilnehmer an eine Zinserhöhung der Fed im September nehmen zu. Die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten hat die Ölpreise auf neue Höchststände seit dem 24. Juli getrieben, schürt Inflationssorgen und verstärkt die Erwartungen einer Zinserhöhung der Fed im September. Dieser Faktor, zusammen mit den geopolitischen Risiken, belastet die Nachfrage nach Gold.
Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben nach einem US‑Angriff auf iranische Raketenstellungen nahe der Insel Larak in der Straße von Hormus erneut zugenommen. Dies war der erste US‑Angriff seit Ende Juli und löste eine iranische Gegenoffensive aus, die sich gegen US‑nahe Einrichtungen in der Region richtete. Zudem teilte das US Central Command (CENTCOM) mit, dass US‑Streitkräfte auch Angriffe auf Ziele des Islamic Revolutionary Guard Corps (IRGC) durchgeführt hätten. Als Reaktion darauf verschärfte der Iran die Konfrontation und startete groß angelegte Angriffe mit ballistischen Raketen und Drohnen auf US‑Einrichtungen in Bahrain, Kuwait und Jordanien. Dies schafft ein zusätzliches geopolitisches Risiko, das die Ölpreise stützt und den Dollar als sicheren Hafen stärkt.
Inzwischen befürchten Anleger, dass hohe Energiepreise die Inflation erneut anheizen könnten und dadurch die großen Zentralbanken, einschließlich der Fed, zu einer restriktiveren Haltung zwingen. Berücksichtigt werden sollten auch die jüngsten Äußerungen von Fed‑Chef Kevin Warsh beim Jackson‑Hole‑Symposium, die die Erwartungen einer Zinserhöhung der Fed im September weiter befeuern. Vor dem Hintergrund zunehmender Sorgen über die Staatsverschuldung vertieft sich der weltweite Ausverkauf am Anleihemarkt, was die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen US‑Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit Januar 2025 treibt. Dies wird ebenfalls als Faktor gesehen, der Kapitalabflüsse aus dem Edelmetall begünstigt und die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Rückgangs seines Werts in naher Zukunft erhöht.
Die Zinsstrategen von Societe Generale warnen, dass der jüngste Ausverkauf die US‑Renditekurve anfällig für weitere Anstiege der langfristigen Renditen macht. Ihren Aussagen zufolge könnte „bei der derzeitigen Dynamik die Rendite zehnjähriger US‑Staatsanleihen 5 % erreichen“. Sie sehen dies als Bestätigung dafür, dass der Abwärtstrend anhält, da Anleger zunehmend darüber nachdenken, wie viel zusätzliche Laufzeitprämie der Markt verlangen wird, während die Erwartungen in Bezug auf die Fed‑Politik weiterhin in Richtung weiterer Straffung tendieren.
Für bessere Handelschancen könnten Händler auf die US‑Arbeitsmarktdaten am Freitag, die Nonfarm Payrolls (NFP), warten. Diese Beschäftigungszahlen werden zusätzliche Signale zur künftigen Ausrichtung der Geldpolitik der Fed liefern, was sich wiederum auf den Dollar auswirkt und dem Edelmetall neue Impulse geben dürfte.
Dennoch scheint die aktuelle fundamentale Lage bärische Marktteilnehmer zu begünstigen und legt nahe, dass der Weg des geringsten Widerstands für Gold weiterhin nach unten führt. In diesem Zusammenhang dürften Erholungsversuche eher als Gelegenheit zum Verkauf gewertet werden und bergen das Risiko eines schnellen Kursrückgangs.
Aus technischer Sicht hat Gold Unterstützung an der 200‑Tage‑EMA knapp oberhalb der runden Marke von 4.300 US‑Dollar gefunden. Ein Bruch unter dieses Niveau würde als neues Einstiegssignal für die Bären gewertet. Die nächste Unterstützung dürfte sich im Bereich von 4.220 US‑Dollar befinden. Aufwärts wird der Kurs durch die 100‑Tage‑SMA nahe 4.360 US‑Dollar begrenzt. Gleichzeitig liefern die Oszillatoren ein gemischtes Bild, sodass man sagen kann, dass Gold noch nicht bereit ist, aufzugeben. Der Relative Strength Index (RSI) ist jedoch in den negativen Bereich gerutscht, was auf eine Schwäche der Bullen hindeutet.
