Das Währungspaar fällt wie ein Stein nach der Entscheidung der Reserve Bank of New Zealand. Obwohl die Zentralbank den Leitzins um 25 Basispunkte angehoben hat, gab der Kiwi breit nach – so fiel er zum Beispiel um fast 200 Pips gegenüber dem australischen Dollar. Auch gegenüber dem US-Dollar musste die neuseeländische Währung deutliche Verluste hinnehmen. Das Tageshoch am Dienstag lag bei 0,5923, während Verkäufer am Mittwoch bereits den Bereich um 0,57 getestet haben.

Nach der Sitzung am Mittwoch erhöhte die RBNZ den Leitzins um 25 Basispunkte – von 2,50 % auf 2,75 %. Der Beschluss wurde im Konsens, also einstimmig, gefasst: Alle Mitglieder des Ausschusses unterstützten die Straffung. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zur Sitzung im Mai, als die Stimmen mit 3:3 gespalten waren und die entscheidende Stimme von Gouverneurin Anna Breman den Zinssatz unverändert ließ.
Auf der Septembersitzung herrschte im Ausschuss zwar Einigkeit über die Zinserhöhung, doch in Bezug auf die Inflationsrisiken blieb das Gremium gespalten. Vier Mitglieder der RBNZ sprachen von nach oben gerichteten Risiken, während die übrigen sie als ausgeglichen bezeichneten – auch wenn sie gleichzeitig auf erhebliche Risiken für die wirtschaftliche Aktivität verwiesen.
Infolgedessen betonte die RBNZ, dass der künftige Pfad des Leitzinses nicht vorgegeben sei – weitere Entscheidungen werden von den hereinkommenden Daten und der Einschätzung der mittelfristigen Inflationsrisiken abhängen. Zudem blieb die eigene Prognose für den Official Cash Rate gegenüber der Projektion vom Mai trotz der bereits umgesetzten Straffung praktisch unverändert. Die Zentralbank rechnet damit, dass der Zinssatz Ende dieses Jahres bei rund 2,8 % und Ende 2027 bei 3,15 % liegen wird. Das entspricht faktisch einer weiteren Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Dezember, vorausgesetzt, es kommt zu einer Pause auf der Oktobersitzung.
Diese relativ vorsichtigen Projektionen wirkten wie eine kalte Dusche: Marktteilnehmer, die zuvor mit einem aggressiveren Straffungszyklus gerechnet hatten – mit einem möglichen Anstieg der Zinsen in Richtung 3,5 % – müssen ihre Erwartungen nun deutlich zurückschrauben.
Gleichzeitig wirkt das Inflationsbild nicht eindeutig „hawkish“. Ja, die Gesamtinflation (Headline-CPI) hat im Jahresvergleich auf 4,1 % angezogen, doch der Haupttreiber dieses Anstiegs waren höhere Energie- und energiebezogene Preise vor dem Hintergrund des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten. Die Inflation ohne Kraftstoffe fiel auf 2,9 %; die meisten Kerninflationsindikatoren liegen weiterhin innerhalb des Zielkorridors von 1–3 %, und die Inflationserwartungen auf Sicht von ein bis zwei Jahren sind rückläufig.
Erwähnenswert ist auch, dass die Zentralbank in der Septembersitzung ausführlicher auf die Schwächen der heimischen Konjunktur einging. Ausschussmitglieder stellten fest, dass das BIP-Wachstum im zweiten Quartal verhalten war, die Arbeitslosigkeit erhöht bleibt, der private Konsum schwach ist und es weiterhin beträchtliche ungenutzte Kapazitäten gibt (insbesondere am Arbeitsmarkt). In der Folge räumte die RBNZ ein, dass das Risiko einer Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivität „erheblich“ sei.
Der neuseeländische Dollar geriet aus einem einfachen Grund deutlich unter Druck: Marktteilnehmer hatten sich klarere und insgesamt „hawkishere“ Signale der Zentralbank zum weiteren Zinskurs erhofft. Stattdessen signalisierte die RBNZ faktisch eine wahrscheinliche Pause im Oktober, ließ sich aber gleichzeitig die Tür für eine weitere Straffung im Dezember offen. Damit setzte sich das klassische Börsensprichwort „buy the rumor, sell the fact“ durch. Für NZD/USD ist die Entwicklung besonders sensibel, da das Paar stark auf Veränderungen im Zinsdifferenzial reagiert – die US-Renditen steigen schneller als die neuseeländischen, sodass der Carry-Vorteil, der den Kiwi hätte stützen können, schwindet. Zusätzlich belastet wird NZD/USD durch die breite Aufwertung des US-Dollar: Die Eskalation im Nahen Osten hat die Nachfrage nach sicheren Häfen angefacht, die Ölpreise nach oben getrieben und die Erwartungen weiterer Fed-Zinserhöhungen bis zum Jahresende verstärkt.
Aus technischer Sicht ergibt sich ein gemischtes Bild. Im 4-Stunden-Chart haben die NZD/USD-Bären die Unterstützung bei 0,5830 (unteres Bollinger-Band im Tageschart) nach unten durchbrochen und handeln unter allen Ichimoku-Linien, die ein bärisches „Parade of Lines“-Signal ausgebildet haben. Im Tageschart hingegen ist es den Verkäufern bislang nicht gelungen, den Kurs klar unter der wichtigen Unterstützung bei 0,5800 zu halten (obere Begrenzung der Kumo-Wolke, die mit dem unteren Bollinger-Band im Tageschart zusammenfällt). Dies ist die entscheidende und weitgehend ausschlaggebende Marke. Gelingt es den NZD/USD-Käufern, sich oberhalb dieses Ziels zu behaupten, verlieren Short-Positionen an Attraktivität (auch aufgrund möglicher Gewinnmitnahmen). In diesem Fall ist eine Gegenbewegung in Richtung des mittleren Bollinger-Bands im 4-Stunden-Chart – also grob in den Bereich von 0,5890 – wahrscheinlich. Umgekehrt würde ein überzeugender Bruch der 0,5800-Marke mit anschließender Konsolidierung darunter die Wahrscheinlichkeit weiterer Rückgänge in Richtung 0,5750 und darunter deutlich erhöhen.
Die nächsten 24 Stunden könnten daher entscheidend sein: Je nachdem, ob es den Bullen gelingt, die Marke von 0,5800 zu verteidigen, dürfte sich das Kräfteverhältnis zugunsten der Käufer oder Verkäufer verschieben. Entsprechend bietet es sich an, bei diesem Währungspaar vorerst eine abwartende Haltung einzunehmen. Ein klarer Abpraller von dieser Marke wäre das erste Signal für eine Aufwärtskorrektur, während ein Durchbruch mit Tagesschlusskurs darunter die bärische Stimmung deutlich verstärken würde.
