Bitcoin ist in nur wenigen Tagen um 18.000 $ gestiegen, doch der rasante Anstieg kam schnell zum Stillstand. Das kann natürlich nur eine kurze Pause sein – die Ruhe vor der nächsten Rallye. Bitcoin legt in starken Trends häufig Pausen ein und kann danach ohne größere Korrektur wieder zu kräftigen Bewegungen ansetzen. Daher bedeutet die aktuelle Unfähigkeit von Bitcoin, den Aufwärtstrend fortzusetzen, nicht, dass der lokale „bullische Impuls“ bereits beendet ist. Man darf nicht vergessen, dass weder Ethereum noch Bitcoin die im letzten Jahr begonnenen Abwärtstrends bislang gebrochen haben, sodass der aktuelle Aufwärtsimpuls als lokal zu betrachten ist. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich auf den Tages- und Wochencharts eine Seitwärtsrange herausbildet. Auf dem Wochenchart wirkt die derzeitige Aufwärtsbewegung wie eine einfache Korrektur, und der übergeordnete Abwärtstrend ist noch nicht beendet.
Unterdessen rückt der anstehende Nonfarm-Payrolls-Bericht näher. Unabhängig davon, wie stark der Markt aktuell an eine Straffung durch die Federal Reserve glaubt, lässt sich der Zustand des US-Arbeitsmarktes nicht ignorieren. Zur Erinnerung: Die Marktteilnehmer haben derzeit keine klaren Signale der Fed über eine geplante Zinserhöhung. Im Gegenteil, die Entscheidungsträger der Fed äußern sich nicht konkret zu künftigen Zinsentscheidungen, und Kevin Warsh spricht lediglich über die hohe Inflation, ohne dass die Zentralbank koordinierte Maßnahmen ergreift. Doch was bedeutet all das für Bitcoin?
Falls die Fed im Jahr 2026 die Geldpolitik nicht strafft, wäre das tatsächlich sehr positiv für Risikoanlagen. Und der Nonfarm-Payrolls-Bericht würde die Wahrscheinlichkeit einer Straffung deutlich verringern. Man sollte sich vor Augen halten, dass sich der US-Arbeitsmarkt seit vier Monaten in Folge abschwächt und der letzte Jahresbericht einen negativen Wert auswies, den der Markt nur deshalb positiv interpretierte, weil er eine noch schlechtere Revision erwartet hatte. Je schwächer also die morgigen Nonfarm Payrolls ausfallen, desto besser für Bitcoin und andere Krypto-Assets. Es ist nicht garantiert, dass der Kryptomarkt sofort auf diesen Bericht oder auf die Arbeitslosenquote reagiert, doch mittelfristig würde ein Verzicht auf eine Straffung unterstützend wirken.
Allgemeines Bild von BTC/USD im 1D-Chart
Auf dem Tageschart setzt Bitcoin seinen Abwärtstrend fort. Der Trend ist als bärisch einzustufen, und die CHOCH-Linie verläuft bei 82.800 $, wo sich das letzte Lower High (LH) gebildet hat. Erst oberhalb dieses Niveaus kann der Abwärtstrend als beendet gelten. Die letzte und einzige „bärische“ FVG wurde nach oben durchbrochen und hat sich in eine „bullische“ IFVG verwandelt. Diese Zone wird daher künftig ein POI für Long-Positionen sein. Bitcoin hat den Abwärtstrend zwar noch nicht gebrochen, doch in den vergangenen zwei Wochen sind die Chancen auf ein Ende des bärischen Trends deutlich gestiegen. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich eine Range zwischen 60.000 $ und 82.500 $ ausbildet. Das würde bedeuten, dass der Kurs sich die Liquidität des letzten LH holt und anschließend einen neuen Abwärtsschub startet.
Allgemeines Bild von BTC/USD im 4H-Chart
Im 4-Stunden-Chart ist klar zu sehen, wie Bitcoin förmlich nach oben „geschossen“ ist. Eine Analyse dieser Zeiteinheit ist im Moment nur begrenzt sinnvoll, da die Bewegungen zu stark und zu impulsiv sind. In den kommenden Tagen sollten Signale deshalb eher im Tages- oder sogar im Wochenchart gesucht werden. Dennoch ist ein Punkt wichtig: Die Liquidität am letzten Hoch wurde abgeholt, was die Trader vor einer möglichen Abwärtsbewegung gewarnt hat. Der Rückgang hat bereits begonnen, aber es ist keineswegs sicher, dass er stark oder lang anhaltend ausfallen wird. Das einzige Muster auf dem 4-Stunden-Chart, das derzeit Beachtung verdient, ist die bärische FVG. Sollte ein neuer Abwärtsimpuls starten, könnte der Kurs von genau diesem Muster aus den Rückgang wieder aufnehmen.
Handelsempfehlungen für BTC/USD
Bitcoin befindet sich trotz des kräftigen Anstiegs in der vergangenen Woche weiterhin in einem Abwärtstrend. Wir rechnen nach wie vor mit einem Rückgang in Richtung 57.500 $ (61,8 %-Fibonacci-Retracement des dreijährigen Aufwärtstrends), auch wenn dieses Niveau faktisch bereits getestet wurde. Aus unserer Sicht ist der Abwärtstrend noch nicht beendet. Die aktuelle Rallye der Leitwährung am Kryptomarkt erinnert eher an einen Pump als an eine saubere Korrekturstruktur und liefert somit keinen ausreichenden Grund, Long-Positionen zu eröffnen. Die Bewegung ähnelt am ehesten einem Pump: Die Liquidität oberhalb des Hochs bei 82.850 $ könnte abgeholt werden, was einen anschließenden Rückgang auslösen und den Übergang in eine Seitwärtsphase bestätigen würde. Im 4-Stunden-Chart lässt sich von der letzten bärischen FVG aus mit einem neuen Bein nach unten rechnen.
Erläuterungen zu den Abbildungen
CHOCH — Change of Character / Bruch der Trendstruktur.
Liquidity — Liquidität in Form von Stop-Loss- und Pending-Orders, die Market Maker zum Positionsaufbau nutzen.
FVG — Fair Value Gap / Bereich der Preisineffizienz: Der Kurs läuft schnell durch solche Zonen, was auf die Abwesenheit einer Marktseite hinweist; häufig kehrt der Preis dorthin zurück und reagiert in Richtung des Haupttrends.
IFVG — Inverted FVG. Nach der Rückkehr in diesen Bereich kann der Kurs ohne Reaktion impulsiv durchbrechen und die Zone anschließend von der anderen Seite testen.
OB — Order Block. Eine Kerze, in der ein Market Maker Positionen eröffnet, um Liquidität einzusammeln und danach eine Position in die entgegengesetzte Richtung aufzubauen.


