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FX.co ★ USD/JPY. Der Yen ist wieder im Spiel

USD/JPY. Der Yen ist wieder im Spiel

Nach einer kurzen Verschnaufpause setzte der Yen seine Offensive fort. Das Währungspaar USD/JPY markierte ein Sechsmonatstief und fiel in Richtung der Untergrenze des 154er-Bereichs, als Reaktion auf restriktive Signale zu möglichen weiteren Schritten der Bank of Japan. Der Markt preist zunehmend eine Zinserhöhung der japanischen Notenbank bereits bei der September-Sitzung (die nächste Woche stattfindet) ein und verschiebt dadurch die Kräfteverhältnisse im Währungspaar spürbar.

USD/JPY. Der Yen ist wieder im Spiel

Einer der stärksten Auslöser für die aktuelle Bewegung im USD/JPY war ein Wandel in der Rhetorik japanischer Offizieller und regierungsnaher Experten. So hat Takuji Aida, der als Wirtschaftsberater von Premierministerin Sanae Takaichi fungiert, seine Tonlage unerwartet verschärft und seine Prognose für die nächste Zinserhöhungsrunde angepasst – von ursprünglich Januar 2027 auf diesen September. Zudem rechnet er nach dem Schritt im September mit einer weiteren Anhebung „bis Januar“, also im Rahmen der folgenden drei Sitzungen der BOJ. Nach diesem „Sprint“ würde die Zentralbank seiner Ansicht nach zu einem vorsichtigeren Straffungstempo zurückkehren.

Bemerkenswert ist dies, weil Aida einer der konsequentesten Gegner einer verfrühten monetären Straffung gewesen ist. Seine Prognoseänderung sollte daher nicht nur als ein weiterer „hawkisher“ Kommentar eines Experten gesehen werden, sondern als Hinweis auf einen allmählichen Konsenswandel innerhalb der japanischen Wirtschaftskreise.

Zusätzliche Unterstützung für den Yen kam auch aus der Rhetorik der BOJ selbst. Insbesondere sagte BOJ-Gouverneur Kazuo Ueda, dass eine Zinserhöhung auf der Septembersitzung „angesichts steigender Inflationsrisiken“ diskutiert werde. Zuvor hatte Vorstandsmitglied Hajime Takata für einen „flexibleren“ Ansatz bei Zinserhöhungen plädiert, anstatt an starren Zeitplänen festzuhalten.

Solche verbalen Signale trafen auf einen Hintergrund steigender Inflationskennzahlen. Ende August wurde bekannt, dass der Kernverbraucherpreisindex (Core CPI) für Tokio im Jahresvergleich auf 1,8 % anzog (nach 1,7 % im Vormonat) und damit die Konsensschätzungen übertraf. Insgesamt stieg der Verbraucherpreisindex für Tokio im August auf 1,9 % (nach 1,8 % im Juli). Diese Kennzahl läuft der landesweiten Inflation voraus und dient für Japan als Frühindikator; ein anhaltender Preisanstieg in der Hauptstadt deutet darauf hin, dass sich die Inflation dem 2,0 %-Ziel der BOJ nähert.

In der Folge hat der Markt eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im September nahezu vollständig eingepreist. Spekulationen über einen potenziell aggressiveren Schritt sorgten für zusätzlichen Rückenwind für den Yen (auch wenn ein solches Szenario weiterhin eher unwahrscheinlich ist).

Schließlich bleibt auch die Drohung mit Währungsinterventionen ein Faktor, der den USD/JPY nach unten drückt. Die japanischen Behörden betonen weiterhin ihre Bereitschaft einzugreifen, falls der Yen sich übermäßig abschwächen sollte.

Dank dieser Kombination fundamentaler Faktoren legte der Yen heute gegenüber dem Dollar um fast 200 Pips zu und bewegte sich in Richtung der Unterseite des 154er-Bereichs.

Bei der Erwägung von Short-Positionen in diesem Währungspaar sollten jedoch mögliche Gegenwinde berücksichtigt werden. Auch die „hawkishen“ Erwartungen in Bezug auf weitere Schritte der Federal Reserve haben sich verstärkt – insbesondere nach dem US-Arbeitsmarktbericht für August. Die US-Wirtschaft schuf 162.000 Arbeitsplätze (nach +21.000 im Juli), die Arbeitslosenquote blieb bei 4,1 %, und die Erwerbsquote stieg von 61,4 % auf 61,6 %. Der Bericht war stark genug, um eine Zinserhöhung der Fed im September wieder auf die Tagesordnung zu setzen.

Aus diesem Grund wird der nächste Wendepunkt für USD/JPY die US-Inflation sein. Sollten die am Donnerstag und Freitag anstehenden PPI- und CPI-Daten im „grünen Bereich“ liegen, könnte sich das Kräfteverhältnis erneut verschieben – diesmal zugunsten des Dollars.

Zu beachten ist auch die Carry-Trade-Dynamik. Selbst wenn die BOJ die Zinsen anhebt, bleibt der Renditeabstand zwischen den USA und Japan erheblich. Sollte die Fed im September ebenfalls erhöhen und signalisieren, dass der Straffungszyklus noch nicht beendet ist, bleiben Dollar-Finanzierungen und Carry-Trades attraktiv.

Daher stellt der aktuelle Rückgang im USD/JPY aus meiner Sicht keinen Beginn eines langfristigen Abwärtstrends dar, sondern eine ausgeprägte Korrektur nach einem längeren Aufwärtsschub. Sobald der abwärtsgerichtete Impuls nachlässt, erscheint es sinnvoll, erneut Long-Positionen in Betracht zu ziehen: Zwar dürfte der Yen kurzfristig einen Vorteil behalten, doch die weitere Entwicklung des Paares wird vom relativen Tempo der BOJ-Straffung und der Stärke (bzw. Beschleunigung) der US-Inflation abhängen. In der aktuellen Konstellation können US-CPI und US-PPI darüber entscheiden, ob der Yen langfristig „im Spiel“ bleibt oder ob es sich bei diesem Anstieg lediglich um eine weitere korrektive Episode handelt.

Aus technischer Sicht notiert das Paar im Vier-Stunden-Chart zwischen dem mittleren und unteren Bollinger-Band und unter sämtlichen Ichimoku-Linien, die ein bärisches „Parade of Lines“-Signal gebildet haben. Das kurzfristige Abwärtsziel liegt bei 153,90 (unteres Bollinger-Band auf H4). Beginnt der Abwärtsimpuls in dieser Zone nachzulassen, kann dieser Bereich als potenzieller Einstiegsbereich für Long-Positionen betrachtet werden.

*Die zur Verfügung gestellte Marktanalyse dient zu den Informationszwecken und sollte als Anforderung zur Eröffnung einer Transaktion nicht ausgelegt werden
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