Gestern behaupteten der Euro und das Pfund ihre Führungsrolle gegenüber dem Dollar und konnten sich von dem Druck befreien, dem sie in der ersten Tageshälfte ausgesetzt waren.
Der NFIB-Index für das Geschäftsklima kleiner Unternehmen, der im August um 1,1 Punkte auf 98,7 zurückging, setzte den Dollar unter Druck. Der Bericht zeigte, dass kleine Unternehmen die Auswirkungen des teuren Geldes bereits zu spüren bekommen, und diese Schwäche, zusammen mit vorsichtigen Konsumenten, die nicht bereit sind, ihre Kreditkartenschulden zu erhöhen, zeichnet ein Bild der Abkühlung. Für Euro und Pfund sorgte dieser Hintergrund für eine Art Ruhepause, und beide Währungspaare bewegten sich in engen Handelsspannen. Ich rechne nicht mit einer ausgeprägten Bewegung, solange dem Dollar kein wirklich triftiger Anlass zum Handeln gegeben wird.

Der heutige Terminkalender für die Gemeinschaftswährung ist dünn. An Makrodaten steht nur die französische Industrieproduktion an, bei den öffentlichen Terminen die Reden von Christine Lagarde von der Europäischen Zentralbank und Joachim Nagel von der Bundesbank. Die französische Industrieproduktion ist eine Kennzahl zweiter Reihe – sie kann das Währungspaar um ein paar Pips bewegen, viel mehr aber auch nicht. Die Reden würden normalerweise mehr Aufmerksamkeit verdienen, aber nicht jetzt: Am Vorabend der Zinsentscheidung vermeiden Notenbankvertreter in der Regel konkrete Aussagen zur Geldpolitik, daher rechne ich von beiden Rednern mit nüchternen, nicht handelbaren Formulierungen. Neue Trader sollten beachten, dass ein großer Name im Kalender keine Garantie dafür ist, dass der Markt verwertbare Informationen erhält.
Das aktuelle Signalvakuum spielt dem Euro in die Karten. Mit scharfen Aussagen ist nicht zu rechnen; der Markt hat einen Anstieg auf 2,5 % eingepreist, was den Euro stützt, ohne das Risiko einer unpassenden Bemerkung der EZB. Meiner Ansicht nach werden die Bullen die Initiative bis zur Verkündung behalten, und die Aufwärtsdynamik in EUR/USD dürfte anhalten – der eigentliche Härtetest beginnt jedoch erst morgen.
Momentum
Ein Ausbruch von 1,1635 im EUR kann das Paar in Richtung 1,1657 treiben und bei anhaltendem Momentum bis 1,1673. Ich betrachte dies als das bevorzugte Szenario, da es zur allgemeinen Stimmung vor der Sitzung passt und nichts erfordert, was nicht bereits eingepreist ist. Einstiege sollten erst nach einem bestätigten Schlusskurs oberhalb dieses Niveaus erfolgen und nicht beim ersten Anlaufen, da bei niedriger Volatilität kurze Ausreißer und anschließende Rückkehr um wenige Pips üblich sind. Auf der Unterseite dient 1,1625 als Referenz; ein Bruch darunter eröffnet den Weg zu 1,1610 und 1,1588. Diese Abwärtsbewegung werte ich eher als Reaktion auf schwache französische Daten oder eine Dollar‑Korrektur vor dem Ereignis, schenke ihrer Fortsetzung aber nicht allzu viel Vertrauen.
Für GBP liegt der obere Punkt bei 1,3554; ein Ausbruch darüber führt zu 1,3573 und 1,3596. Das Paar hat sich endlich vom Widerstand bei 1,3545 gelöst, der Käufer zuvor zweimal abgewiesen hatte – ein kleines, aber positives Signal. Auf der Unterseite funktioniert 1,3530; ein Bruch kann Verkäufe in Richtung 1,3501 und 1,3480 auslösen. Das Pfund hat heute keine eigene Nachrichtenlage und bleibt vom Dollar abhängig, sodass jede Bewegung des Pfunds sekundär zur Entwicklung beim Euro sein wird.
Mean Reversion
Die Idee ist die übliche: gegen gescheiterte Ausbrüche aus der Handelsspanne handeln.

Für den EUR liegt die obere Referenz bei 1,1641. Ein Verkauf kommt erst in Frage, wenn der Kurs nach einem gescheiterten Versuch, sich darüber zu halten, wieder darunter zurückfällt. Heute ist besondere Vorsicht geboten: Die Grundstimmung begünstigt Käufer, und Verkäufe in einem Umfeld vor der EZB-Entscheidung sind riskant. Die Untergrenze liegt bei 1,1623: Ein Fehlausbruch nach unten mit anschließendem Rücklauf auf dieses Niveau ist ein Kaufsignal – diese Variante spricht mich eher an, da sie mit der Marktrichtung übereinstimmt.

Für GBP liegen die Spannen oben bei 1,3560 und unten bei 1,3532. Das Schema ist standardisiert, und die Rahmenbedingungen sind passend: geringe Volatilität und keine Nachrichten aus dem Vereinigten Königreich schaffen ein Umfeld, in dem Fehlausbrüche häufiger vorkommen als echte Ausbrüche. In beiden Fällen sollten Stopps jenseits des Extrempunkts des Fehlausbruchs gesetzt werden und nicht an der nächstgelegenen runden Marke.
Der heutige Tag ist logisch klar einzuordnen. US-Daten deuteten auf eine Abkühlung hin, doch der Dollar nutzte seinen Vorteil nicht aus; der Kalender in der Eurozone ist dünn besetzt; die Aufmerksamkeit richtet sich bereits auf die morgige EZB-Entscheidung. In diesem Setup bevorzuge ich Long-Positionen im Euro – sowohl aus einem bestätigten Ausbruch über die obere Begrenzung als auch aus einem gescheiterten Abwärtsausbruch zurück zur unteren Begrenzung – und behandle Short-Positionen nur als kurze, reaktive Trades nach gescheiterten Fortsetzungsversuchen. Beim Pfund rechne ich nicht mit einer eigenständigen Bewegung; ich bevorzuge es, an den Range-Grenzen zu handeln, bis der Dollar eine klare Richtung vorgibt.
