Bitcoin hat sich seit drei Wochen in einer Seitwärtsrange bewegt. Die Tatsache, dass Bitcoin seine Aufwärtsbewegung derzeit nicht fortsetzt, bedeutet nicht, dass der lokale „Nordimpuls“ bereits beendet ist. Dieser Impuls ist lokal. Auf dem Tages-Chart befindet sich das „digitale Gold“ klar in einem Seitwärtskanal. Aktuell notiert Bitcoin nahe der oberen Begrenzung dieses Kanals. Das impliziert, dass sich eine Abweichung (Deviation) mit Liquiditätsabgriff am vorherigen Hoch oder zumindest eine einfache Zurückweisung (Rejection) ausbilden kann. In jedem Fall bleibt der Abwärtstrend, wie auf dem Tages- und Wochen-Chart zu sehen, intakt. Auf dem 4‑Stunden‑Chart hat der Kurs an der unteren Begrenzung des Seitwärtskanals – wie von uns angekündigt – eine Deviation ausgebildet. Daher ist ein Anstieg zurück zur oberen Begrenzung zu erwarten.
In dieser Woche gab die Federal Reserve ihre Entscheidung bekannt, und die Reaktion des Kryptomarkts war ebenso überraschend wie die Reaktion am FX‑Markt. Zur Erinnerung: Die Fed hat wie erwartet den Leitzins um 25 Basispunkte angehoben – grundsätzlich eine schlechte Nachricht für Risikoanlagen, einschließlich Krypto. Doch die Fed beließ es nicht dabei: Kevin Warsh signalisierte faktisch weitere Straffungen, und der Dot-Plot zeigte eine deutlich restriktivere Haltung der FOMC‑Mitglieder. Mit anderen Worten: Die Fed ist entschlossen, die hohe Inflation zu bekämpfen, und eine Zinserhöhung im September wird nicht die letzte sein. Dieser Ausblick ist für Bitcoin wenig ermutigend. Dennoch reagierte der Kryptomarkt kaum auf den Fed‑Beschluss – was angesichts der klar „hawkishen“ Tendenz überrascht. Bitcoin hätte stark fallen können, tat es aber nicht. Zudem ist in dieser Woche der CLARITY Act gescheitert, ein Gesetzesvorhaben, das für Bitcoin und den gesamten Kryptosektor von Bedeutung war. Auch auf dieses Scheitern fiel die Marktreaktion schwach aus. Damit rückt die technische Struktur erneut in den Vordergrund. Das technische Bild erlaubt aufgrund der 4‑Stunden‑Deviation einen moderaten Anstieg.
Gesamtlage BTC/USD im 1D‑Chart
Auf dem Tages-Chart setzt Bitcoin seinen Abwärtstrend fort und ist in eine Seitwärtsphase übergegangen. Die Trendstruktur bleibt abwärtsgerichtet, und die CHOCH‑Linie verläuft bei 82.800 US‑Dollar, wo das letzte LH (Lower High) gebildet wurde. Erst oberhalb dieses Niveaus kann der Abwärtstrend als beendet gelten. Den Großteil des Jahres 2026 hat das „digitale Gold“ zwischen 60.000 und 82.500 US‑Dollar gehandelt, was bedeutet, dass der Kurs zunächst die Liquidität am letzten LH abgreifen und anschließend eine neue Abwärtsbewegung in Richtung der unteren Begrenzung des Seitwärtskanals starten kann.
Gesamtlage BTC/USD im 4H‑Chart
Im 4‑Stunden‑Chart zeigt sich Bitcoin ebenfalls klar seitwärts. Der Markt hat zweimal Sell‑Side‑Liquidity herausgenommen, was – wie von uns prognostiziert – zu einem Rückgang bis an die untere Begrenzung des Kanals geführt hat. Nahe dieser unteren Begrenzung bildete sich eine Deviation, die die Erwartung einer Erholung zurück zur oberen Begrenzung untermauert. Solange sich der Kurs innerhalb des Kanals von 75.600 bis 81.200 US‑Dollar bewegt, raten wir Tradern, ausschließlich von den Kanalgrenzen aus zu handeln. Interne Muster spielen derzeit keine Rolle.
Handelsempfehlungen für BTC/USD
Bitcoin befindet sich trotz der starken Rallye Mitte August weiterhin in einem Abwärtstrend. Wir rechnen nach wie vor mit einem Rückgang in Richtung 57.500 US‑Dollar (61,8 % Fibonacci‑Retracement des dreijährigen Aufwärtstrends), wobei dieses Niveau faktisch bereits getestet wurde. Wir gehen nicht davon aus, dass der Abwärtstrend bereits beendet ist. Die jüngste Aufwärtsbewegung der führenden Kryptowährung ähnelt nur schwach einer Korrektur und liefert damit keinen ausreichenden Grund, um Long‑Positionen zu eröffnen. Die Liquidität könnte am Hoch bei 82.850 US‑Dollar abgegriffen werden, was eine neue Abwärtswelle auslösen dürfte. Im 4‑Stunden‑Chart kann die Erholung weiterlaufen, mit Zielen bei 78.400 und 81.200 US‑Dollar, da sich nahe der unteren Begrenzung des Seitwärtskanals eine Deviation gebildet hat.
Erläuterungen zu den Abbildungen:
CHOCH – Change of Character, also eine Veränderung der Trendstruktur.
Liquidity – Liquidität, Stop‑Loss‑Orders, Pending Orders, die Market‑Maker zur Positionsakkumulation nutzen.
FVG – Fair Value Gap. Ein Kursbereich mit Ineffizienz. Der Preis durchläuft diese Zonen schnell, was auf das Fehlen einer Marktseite hinweist. In der Folge neigt der Kurs dazu, in diese Bereiche zurückzukehren und dort im Sinne des Haupttrends zu reagieren.
IFVG – Inverted Fair Value Gap. Nach der Rückkehr in einen solchen Bereich reagiert der Kurs nicht, sondern durchbricht ihn impulsiv und testet ihn anschließend von der Gegenseite.
OB – Order Block. Die Kerze, in der ein Market‑Maker eine Position eröffnet hat, um Liquidität abzugreifen und anschließend eine Gegenposition aufzubauen.


