
Am Dienstag hält sich EUR/USD oberhalb der psychologisch wichtigen Marke von 1,1200. Weitere Kursgewinne der Gemeinschaftswährung könnten jedoch begrenzt bleiben, da die weitverbreiteten Unruhen in Frankreich zunehmend Sorgen um die öffentlichen Finanzen des Landes auslösen.
Laut BBC verhängten die französischen Behörden am Montag nächtliche Ausgangssperren in bestimmten Bezirken von Paris und anderen Städten, nachdem sich die Unruhen und Plünderungen im ganzen Land ausgebreitet hatten. Der französische Premierminister Sébastien Lecornu erklärte, die Regierung sei „voll entschlossen, die öffentliche Ordnung wiederherzustellen“, schloss dabei aber „lokalisierte und partielle“ Bewegungseinschränkungen in den am stärksten betroffenen Gebieten nicht aus. Zugleich betonte er, dass eine vollständige Ausgangssperre für ganze Städte nicht in Betracht gezogen werde.
Die bisher ergriffenen Maßnahmen haben der Gemeinschaftswährung keinen nennenswerten Rückenwind verschafft. Marktteilnehmer müssen die Entwicklungen rund um die politischen und finanziellen Risiken in Frankreich genau verfolgen. Jede weitere Eskalation der Spannungen könnte zusätzlichen Druck auf EUR/USD ausüben.
Der Renditeabstand zwischen französischen Staatsanleihen und deutschen Staatsanleihen (Bunds), die als sicherer Hafen gelten, hat sich auf 147 Basispunkte ausgeweitet. Dies ist das höchste Niveau seit der europäischen Staatsschuldenkrise 2011–2012. Zum Vergleich: Ende September lag der Spread bei rund 110 Basispunkten.
Unterdessen zeigte sich in den Vereinigten Staaten der Fed-Notenbanker Kevin Warsh in der vergangenen Woche zuversichtlich hinsichtlich der Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft, ließ jedoch offen, ob und wann weitere Zinserhöhungen notwendig sein könnten. Laut dem CME FedWatch Tool gehen die Terminmärkte davon aus, dass die Fed die Zinsen auf ihrer Oktobersitzung unverändert lässt. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember wird auf 82,8 % geschätzt.
Auch geopolitische Risiken tragen zur vorsichtigen Stimmung an den Märkten bei. Die Spannungen nahmen insbesondere zu, nachdem Präsident Selenskyj erklärte, die Vereinigten Staaten drängten die Ukraine und nicht Russland zu Zugeständnissen. Zusammengenommen verschlechtern diese Faktoren das externe Umfeld für den Euro zusätzlich.
Warshs Rede, die er in seiner Funktion als Mitglied des Board of Governors der Federal Reserve hielt, erzielte auf der FXS Speechtracker-Skala 5,6 von 10 Punkten. Dies liegt leicht unter seinem historischen Durchschnitt von 6,1 und deutet trotz seiner positiven Einschätzung des strukturellen Wachstums und der gestiegenen Investitionstätigkeit auf einen vergleichsweise zurückhaltenden Ton hin. Seine Bemerkung, die Marktteilnehmer seien „zu sehr vom globalen Finanzcrash traumatisiert“, verweist auf die anhaltende Risikoscheu der Investoren.
Warsh verwies außerdem auf einen Anstieg der Investitionen, die durch die aktuelle Wirtschaftspolitik gestützt würden, verzichtete jedoch darauf, Prognosen zu den Fed-Entscheidungen im Oktober und Dezember abzugeben. Infolgedessen müssen sich Akteure am Dollarmarkt in erster Linie auf die laufenden makroökonomischen Daten und mögliche Schlüsselentscheidungen der Fed im weiteren Jahresverlauf stützen.
Warshs Betonung der Rolle künstlicher Intelligenz bei der Gestaltung der Nachfrage sowie des Managements von Tail-Risiken – also unwahrscheinlichen, aber potenziell sehr folgenreichen Ereignissen – verleiht seinen Ausführungen einen langfristigen Fokus und unterstreicht seine Sorge um die Finanzstabilität. Dies mildert wiederum die kurzfristig falkenhaften Signale seiner Rede etwas ab.
Der FXS Fed Sentiment Index blieb mit 127,51 Punkten erhöht. Dies zeigt, dass trotz der etwas moderateren Bewertung von Warshs Rede auf der FXS Speechtracker-Skala die grundsätzliche Ausrichtung der Geldpolitik der US-Notenbank klar falkenhaft bleibt. Für den Devisenmarkt deutet die Kombination aus einem hohen Wert des Fed Sentiment Index und einer zurückhaltenden Rhetorik der Zentralbankvertreter darauf hin, dass der Dollar weiterhin von der Erwartung profitiert, die Fed werde Inflation und Finanzstabilität genau im Auge behalten – selbst wenn es noch keine eindeutigen Hinweise auf den geldpolitischen Kurs für 2026 gibt.
Aus technischer Sicht bleibt EUR/USD im Tageschart unter Druck. Darauf deuten negative Oszillatoren sowie die Tatsache hin, dass das Währungspaar unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten notiert. Die psychologisch wichtige Marke von 1,1200 fungiert als Unterstützung. Darunter liegen die Marke von 1,1150 sowie das Oktobertief. Ein Bruch unter diese Bereiche würde den Rückgang in Richtung 1,1080 beschleunigen.
Die nächstgelegenen Widerstände stellen die 14-Tage-EMA und die 20-Tage-SMA dar, die beide im Bereich von 1,1270 verlaufen. Ein Ausbruch über diese Zone würde den Bullen ermöglichen, frühere Hochs erneut ins Visier zu nehmen.
